Jahrestreffen 2010 netzwerk recherche e.V.
Fakten für Fiktionen – Wenn Experten die Wirklichkeit dran glauben lassen

Fakten für Fiktionen –
Wenn Experten die Wirklichkeit
dran glauben lassen
Manche Wahrheiten sollen nicht,
manche brauchen nicht,
manche müssen gesagt werden.
Wilhelm Busch
Zum Jahrestreffen 2010 kamen ca. 800 Journalisten zum NDR nach Hamburg - mehr als je zuvor bei einer der nr-Jahreskonferenzen.
Das netzwerk recherche möchte an dieser Stelle allen danken, die sich für das Gelingen der Konferenz engagiert haben! Nicht nur denen, die mit ihren Beiträgen im Programm erwähnt sind, sondern auch den vielen Ungenannten, die im Hintergrund die Organisationsarbeit gemacht haben. Ohne ihren Einsatz wäre der Erfolg der "Konferenz von Journalisten für Journalisten" nicht möglich gewesen!
Dokumentation der Jahreskonferenz 2010.
Die Eröffnungsrede "Zur Lage des Journalismus" hielt Carolin Emcke.
"Das Gewissen unserer Zeit" - Grußwort von Thomas Krüger beim Jahrestreffen.
Grußwort von NDR-Intendant Lutz Marmor beim Jahrestreffen.
Die "Verschlossene Auster", der Negativ-Preis des netzwerk recherche für den "Informationsblockierer des Jahres" geht in diesem Jahr an die Deutsche Bischofskonferenz - als Auszeichnung für die Informationsblockaden der katholischen Kirche. Die Laudatio hielt Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung). Matthias Kopp (Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz) nahm den Preis stellvertretend im Empfang und hielt die Gegenrede.
Pressespiegel zum Jahrestreffen 2010.
Hashtag für Social Networks (Twitter, flickr) lautet: #nr2010
Die Folien der Referate zum Thema "Computer & Recherche" finden Sie im Weblog "Journalismus & Recherche".
Das bei meedia.de verbreitete alternative Programm des Jahrestreffens weicht in Einzelheiten vom offiziellen Programm ab ;-)
Weitere aktuelle Hinweise finden Sie im Newsletter Netzwerk Recherche.
Programm nr-Jahreskonferenz 2010, Stand 07.07.2010 [PDF]
Bitte melden Sie sich ausschließlich über dieses Formular zur Jahreskonferenz an.
Sie erhalten anschließend eine Teilnahmebestätigung per E-Mail. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Überweisung des Teilnehmerbeitrags auf folgendes Konto:
netzwerk recherche
Konto-Nr. 69863
BLZ 37050299 (Kreissparkasse Köln)
Verwendungszweck: Jahreskonferenz
Teilnehmerbeitrag:
Journalisten in Ausbildung: EUR 30,–
nr-Mitglieder: EUR 60,–
Nichtmitglieder: EUR 100,–
Wichtig: Bitte bringen Sie die Teilnahmebestätigung und den Überweisungsbeleg (bei Online-Überweisung: Ausdruck) zur Anmeldung vor Ort mit.
Vorbereitung auf die Konferenz:
Texte zu den einzelnen Veranstaltungen und Referenten werden ca. zwei Wochen vor der Konferenz in einem Tagungsreader auf dieser Webseite vorab zur Verfügung gestellt. Das Reporter Forum bietet für seine Workshops eigene Texte unter www.reporter-forum.de – das Lesen dieser Texte ist verpflichtend und Voraussetzung zur Teilnahme an den Kurseinheiten.
Es kann immer nur eine Veranstaltung besucht werden. Nach Beginn der einzelnen Programmangebote werden die Türen geschlossen, um ein konzentriertes Arbeiten zu garantieren. Die Ergebnisse der Konferenz werden dokumentiert.
Veranstaltungsort:
NDR-Konferenzzentrum
Hugh-Greene-Weg 1
22527 Hamburg
Treffen für Online-Recherche-Trainer am 8. Juli
Am Vortag der Jahrestagung, Donnerstag, den 8. Juli 2010, 10 Uhr, treffen
sich Online-Recherche-Trainer und online-affine Rechercheure an der Akademie
für Publizistik (Warburgstraße 8-10, Nähe Bhf. Dammtor) um Tricks und Tipps
auszutauschen.
Jeder Teilnehmer verpflichtet sich mindestens ein Tool, eine nützliche Site
oder eine Online-Recherche-Methode in 5-10 Minuten vorzustellen.
Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Teilnahme nur nach Bestätigung;
Anmeldungen mit eigenem kurzen Themenvorschlag bitte an:
lindemann@autorenwerk.de. Genaueres Programm und Teilnahmebestätigung folgt.
Gastgeber ist die Akademie für Publizistik, Veranstalter das netzwerk
recherche.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Experten haben Konjunktur in den Medien: Sie empfehlen die Impfung gegen Schweinegrippe und bewerten die Blutwerte von Dopingsündern; sie sollen positive Wachstumsprognosen geben, wirkungslose „Wachstumsbeschleuniger" aber möglichst nicht kritisieren. Sie können je nach Thema und Format gemietet werden oder werben unbemerkt in eigener Sache. Gekaufte Institute, die gefällige Expertisen für die stillen Auftraggeber im Hintergrund produzieren. Journalisten nehmen all das brav auf - Herr Professor wird's schon wissen. Kein Zweifel: Experten für Alles und Nichts sind heute Instrumente im Journalismus, die der Inkompetenz begegnen und dabei Zweifel der Medien mindern - und der Bequemlichkeit der Medienmacher dienen sollen.
„Experten sind in der heutigen Welt der größte Schatz, den ein Land besitzen kann", hatte bereits Heinz Maier-Leibnitz, der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, seinerzeit festgestellt. Sei es in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft: Die Welt ist seitdem noch komplexer, der Experte als Wegweiser durch einen hochspezialisierten Wissens-Dschungel noch wichtiger geworden. Wenn gehetzte oder bequeme Journalisten nicht mehr durchblicken, dem Zweifel nicht mehr auf den Grund gehen, soll doch wenigstens der Experte so tun, als ob die „bestellte Wahrheit" stimmen könnte. Zitieren statt recherchieren - heißt die Zauberformel des heute dominierenden Sparjournalismus.
In der besten aller Welten aber haben Journalisten und Experten sogar ähnliche Funktionen: Beide sollen nach Wahrheit suchen, die Wirklichkeit mit allen Widersprüchen und Interessen so unabhängig und genau beschreiben wie nur möglich. Doch statt einer sinnvollen Symbiose beider Berufswelten kommt es oft zu Abhängigkeiten und einem fatalen Wechselspiel: Der Experte platziert vor allem Werbebotschaften für sein Themenfeld in den Medien oder lässt sich gleich ganz als Mietmaul einer Lobbygruppe engagieren; das eigene Institut muss schließlich irgendwie finanziert werden. „Wahrheit" und „Unabhängigkeit" von Experten sind - im Schatten des Drittmitteldrucks und unterfinanzierter Hochschulen - ein rares Gut. Auch den Journalisten interessiert - in Zeiten des Spar- und Quotendrucks - die Wahrheit oft weniger als die publikumsträchtige Story; der passende Experte für die gewünschte Dramaturgie („Wir brauchen da noch einen Fachmann...") wird sich schon finden. Hat es ein Experte dann mal in die erste Medienliga der „Angefragten" geschafft, beginnt das Expertenrecycling auf allen Kanälen: Und täglich grüßt der gleiche Spezialist - Kompetenz wird von Medientauglichkeit aufgefressen. Was jemand sagt und wie es begründet ist, wird zweitrangig, wenn die „Experten" knapp, prägnant und meinungsmoderat funktionieren.
Wie aber findet man als Journalist den richtigen Experten? Wie verhindern Journalisten, dass sie einem cleveren Fachidioten auf den Leim gehen? Wie enttarnt man „Mietmäuler" und selbsternannte Medien-Spezialisten? Und wie sollten Journalisten mit widersprüchlichen Expertenurteilen, die sie selbst überprüft haben, umgehen? - Das Verhältnis von Journalisten und Experten ist ein Schwerpunktthema auf der Jahrestagung des netzwerk recherche.
Aber auch in anderen der rund 100 Debatten, Vorträge und Workshops lassen wir uns kein X für ein U vormachen. Kompetente Referentinnen und Referenten präsentieren frisches Wissen aus erster Hand, vermitteln Handwerk und streiten über die Krise des Journalismus. Machen Sie mit bei der „Konferenz von Journalisten für Journalisten". Mischen Sie sich ein. Bringen Sie Ihre Fragen, Zweifel und Ermutigungen mit nach Hamburg zur Jahreskonferenz von netzwerk recherche.
Prof. Dr. Thomas Leif | Kuno Haberbusch | Hans Leyendecker |
Holger Wormer: Experten – 10 Thesen
Weitere Informationen:
Dokumentation der nr-Jahreskonferenz 2010 [PDF]
Programm Jahrestreffen 2010 (Stand 07.07.2010) [PDF]
Materalien, Leitfragen und Kurzbiografien zur Vorbereitung auf die Konferenz
Reader (Stand: 02.07.2010) [PDF]
PM, 10.07.2010: Verschlossene Auster 2010
Pressemeldung des netzwerk recherche e.V. (10.07.2010): „Verschlossene Auster" geht an die Katholische Kirche
Unter dem Motto "Fakten für Fiktionen – Wenn Experten die Wirklichkeit dran glauben lassen" fand am 09./10. Juli 2010 das Jahrestreffen des netzwerk recherche in Hamburg statt.
Die Eröffnungsrede "Zur Lage des Journalismus" hielt Carolin Emcke.
Auster 2010 an die Deutsche Bischofskonferenz
Die "Verschlossene Auster", der Negativ-Preis für den "Informationsblockierer des Jahres" geht in diesem Jahr an die Deutsche Bischofskonferenz - als Auszeichnung für die Informationsblockaden der katholischen Kirche.
"Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen" 2009 an den Reporterpool von NDR Info
Gewürdigt werden damit die herausragenden, kontinuierlichen Rechercheleistungen des Reporter-Teams.
